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Persönliche Erklärung zu den Startplätzen für Flüchtlinge und Migranten

28.01.2016 19:34

Von Markus Reutzel

Kurz vor dem Triathlon 2015 haben wir die Aktion “Gegen Radikalisierung im Sport” ins Leben gerufen und im Zuge dessen bei Deutschlands einzigem Non Profit Charity-Triathlon zu Gunsten benachteiligter Menschen kostenfreie Startplätze für Flüchtlinge und Migranten zur Verfügung gestellt. Auch dieses Jahr bieten wir wieder Startplätze in gemischten Teams für Flüchtlinge und Asylanten an.

Aufgrund verschiedener Postings in den sozialen Medien in den letzten Monaten wie z.B. dem Vorwurf der Effekthascherei für den Triathlon, um Widerstände gegen die Veranstaltung aus Büdingen heraus zu verhindern, sehe ich mich zu dieser persönlichen Erklärung veranlasst. Die Vorgänge am kommenden Wochenende tun ihr Übriges dazu.

Wir, und damit auch die Veranstaltergemeinschaft Büdinger Ortsvereine, haben mit der Weiterentwicklung des Events in den letzten sechs Jahren wohl eindeutig den charitativen Charakter der Veranstaltung und die Fokussierung auf die Spendensammlung zu Gunsten benachteiligter Menschen unterstrichen. Und dies hat sicherlich dem Ansehen der Stadt Büdingen nicht geschadet, obwohl es hier offensichtlich auch andere Meinungen gibt. Mir ist diese Fokussierung auf die Spendensammlung und Hilfe ein persönliches Anliegen!

Ich bin der Meinung, dass Sport für die Integration von Flüchtlingen und Migranten eine ideale Plattform bietet. Wo, wenn nicht im Miteinander, sind sprachlische und ethnische Grenzen besser überwindbar als hier. Das möchte ich fördern, weil ich auch bei der derzeitigen Integrationspolitik persönlich großes Defizite sehe. Auch für viele Vereine, die heute oftmals mit dem Problem des Mitgliederschwundes und der Überalterung zu kämpfen haben, ergeben sich hier tolle Chancen, gute Sportler in ihre Reihen zu bekommen. Deshalb werde ich jeden Flüchtling beim Triathlon willkommen heißen, der mitmachen möchte. Das ist auch ein Stück Weltoffenheit. Die sportlichen Leistungen spielen dabei keine Rolle. Und ich fordere jeden Starter in Büdingen dazu auf, diese Toleranz ebenfalls zu zeigen.

Gleichwohl bin ich der Auffassung, dass die aktuelle Flüchtlingspolitik der Europäischen Gemeinschaft und des deutschen Staates eine Katastrophe ist. Deutschland kann nicht unbegrenzt Flüchtlinge aufnehmen. In der Masse derer, die nach Deutschland kommen, gehen die unter, die als Kriegsflüchtlinge unsere Hilfe am Dringendsten benötigen. Auch halte ich die Unterbringung von Flüchtlingen in Sammelunterkünften nicht für den richtigen Integrationsweg. Wer jedoch meint, unsere, aus der Vergangenheit schwer erkämpfte, freiheitlich-demokratische Grundordnung mit Füßen treten zu können, hat in Deutschland nichts verloren. Migration bedeutet für mich auch Integration in eine bestehende Wertordnung. Dies muss jede Gesellschaft von denen verlangen, die sie als Gäste in ihr Land kommen lässt.

Man kann gewiss über die heutigen Ausprägungen dieser Gesellschaft in vielen Fällen streiten, aber radikalisierte Religion und Weltanschauung gehören nicht in unsere Gesellschaft. Weder aus dieser Richtung, von rechts oder von links und ganz besonders nicht aus vergangenheitsverblendeten Fanatismus.

Leider kann ich am Wochenende nicht persönlich in Büdingen anwesend sein. Aber ich untertstütze vorbehaltlos die Bemühungen der verschiedenen Initiativen gegen die rechtsradikale Demonstration in Büdingen. Genauso wenig wie fanatisierte Parallelgesellschaften einen Platz in unserer Gesellschaft haben, darf man diesen rückwärtsgewandten Radikalen keine Plattform geben.

M. Reutzel

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